Mein Vaterland – Theodor Körner

Ein nachdenklich machendes Gedicht von Karl Theodor Körner über das gegängelte und besetzte Deutschland (damals unter Napoleon… und heute?)

Wo ist des Sängers Vaterland?
Wo edler Geister Funken sprühten,
Wo Kränze für das Schöne blühten,
Wo starke Herzen freudig glühten,
Für alles Heilige entbrannt.
Da war mein Vaterland!

Wie heißt des Sängers Vaterland?
Jetzt über seiner Söhne Leichen,
Jetzt weint es unter fremden Streichen.
Sonst hieß es nur das Land der Eichen,
Das freie Land, das deutsche Land.
So hieß mein Vaterland!

Was weint des Sängers Vaterland?
Daß vor des Wüt’richs Ungewittern
Die Fürsten seiner Völker zittern,
Daß ihre heil’gen Worte splittern,
Und daß sein Ruf kein Hören fand.
Drum weint mein Vaterland!

Wem ruft des Sängers Vaterland?
Es ruft nach den verstummten Göttern,
Mit der Verzweiflung Donnerwettern
Nach seiner Freiheit, seinen Rettern,
Nach der Vergeltung Rächerhand.
Der ruft mein Vaterland!

Was will des Sängers Vaterland?
Die Knechte will es niederschlagen,
Den Bluthund aus den Grenzen jagen
Und frei die freien Söhne tragen
Oder frei sie betten unterm Sand.
Das will mein Vaterland!

Und hofft des Sängers Vaterland?
Es hofft auf die gerechte Sache,
Hofft, daß sein treues Volk erwache,
Hofft auf des großen Gottes Rache
Und hat den Rächer nicht verkannt.
Drauf hofft mein Vaterland!

 

DAS kommt heraus, wenn ein Drecksmaul furzt.
Und der Schoß ist fruchtbar noch!

In Angst und bürgerlichem Leben
wurde nie eine Kette gesprengt.
Hier muss man schon mehr geben,
die Freiheit wird nicht geschenkt.

Es sind die glücklichen Sklaven
der Freiheit größter Feind,
drum sollt ihr Unglück haben
und spüren jedes Leid.

Nicht Mord, nicht Bann, nicht Kerker
nicht Standrecht obendrein
es muß noch stärker kommen
soll es von Wirkung sein!

Ihr müßt zu Bettlern werden
müßt hungern allesamt
Zu Mühen und Beschwerden
verflucht sein und verdammt

Euch muß das bißchen Leben
so gründlich sein verhaßt
daß Ihr es fort wollt geben
wie eine Qual und Last

Erst dann vielleicht erwacht noch
in Euch ein besserer Geist
Der Geist, der über Nacht noch
Euch hin zur Freiheit reißt!

Nicht Mord, nicht Bann, nicht Kerker
nicht Standrecht obendrein
es muß noch stärker kommen
soll es von Wirkung sein!

 

"Deutsche Verzweiflung" - H. v. Fallersleben
(11. März 1850)